Das Sechste Haus
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 Betreff des Beitrags: Re: Kleine Geschichte
BeitragVerfasst: Fr 17. Jan 2014, 04:11 
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Gildenmitglied

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"Und", fragte Quiona im dämmrigen Schein der Kerze, "wie kann es sein, dass ich allein das Haus behüte? Glaubt ihr etwa, ich würde es ewig bewachen?" Sie betrachtete Shyari mit dem unergründlichen Blick, für den sie bekannt war.
Shyari runzelte die Stirn. "Ich möchte dich erinnern, dass ich das auch die ganze Zeit..."
Quiona unterbrach sie. "Ich glaube, dass wenn ich die ganze Zeit so gedacht hätte wie du, unser Haus nicht mehr bestehen würde. Du weißt doch, dass es seit langem nicht mehr von uns bewohnt wird; hätte Taigabaer uns nicht geholfen, würde es gar nicht existieren."
Shyari blickte zu Boden. "Es ist alles schwieriger geworden, seitdem Saria nicht mehr bei uns ist. Du weißt doch, was damals passierte und du kennst Saria." Sie bemerkte den zweifelnden Blick Quionas und fuhr fort. "Ich will es dir erzählen.


Damals, vor mehr als einem Jahr, taten sich einige von uns zusammen, um einen Dämon zu besiegen.
Saria ging fort – niemand hat damit gerechnet, dass ein Schwertkämpfer oder ein Heiler sich ihm stellen konnte. Es war ein Dämon, dem sich nur die stellen konnten, die nicht abenteuerlustig waren und Saria bot sich an – wir hatten eine Meinungsverschiedenheit, aber schließlich hat sie gewonnen.
Sie ging fort und, was du nicht weißt, Quiona, für sie war es nicht einfach, sich in der fremden Welt zurechtzufinden. Sie hat sogar-"
"Wie bitte?" fuhr Quiona dazwischen. "Warum habt ihr nicht mich geschickt? Ich habe es satt, alle Hoffnungen auf Saria zu legen." Sie drehte sich um, um Shyari nicht in die Augen sehen zu müssen. "Ich habe gedacht, hier würde jedem vertraut."
Eine Pause entstand.
"Nun", sagte Shyari schließlich, "so ist es auch. Glaube mir, Saria dorthin zu schicken, war die beste Entscheidung. Du kamst nicht infrage, da du alle...nun schau mich nicht so an, lass mich fortfahren.

Saria reiste zu dem fremden Ort und musste sich an vieles gewöhnen. Das hätte niemand von uns geschafft. Fennah wäre zu mitfühlend gewesen, ich zu aufmerksam, du zu kaltherzig. Schau mich nicht schon wieder so an, du weißt, dass ich das nicht leiden kann.
Saria erreichte den Ort und freundete sich dort sogar mit Wölfen an – kannst du dir das vorstellen? Von uns beiden hätte das niemand geschafft. Alles schien richtig zu sein, bis eines Tages Nuncius auftauchte – der einzige, der glaubte, zu wissen, womit wir es zu tun hatten.

Er war es auch, der Saria zum ersten Mal direkt und ganz seelenruhig davon erzählte– er konnte das, ohne eine Miene dabei zu verziehen.
Saria meinte, ihr sei ein kalter Schauer über den ganzen Körper gelaufen, auch wenn sie nicht wusste, was er damit meinte.
Doch er behauptete tatsächlich, dass es einen Dämon gäbe, der gefährlich sei. Auch – vor allem – für unsere Gilde.
Und er sagte, er wüsste, wie man ihn besiegen könnte.

Um den Dämon zu besiegen, musste man seine Stützpunkte kennen – die Dinge, die wir für gut halten, sind für böse Wesenheiten ein willkommenes Geschenk, Quiona.
Diese Stützpunkte kannte Nuncius, auch wenn bis dahin noch niemand außer ihm wusste, wie dieser zu besiegen sei.
Er trennte für diese Aufgabe das Sechste Haus in zwei Gruppen auf, doch zwei Mitglieder der Gilde waren von Anfang an nicht dabei. Saria dachte, dass sie verhindert seien oder einfach Angst hatten.

Der Rest der Gruppe schlug sich durch Pfade und alle speicherten in ihren Gedanken, so viel sie konnten – doch der Weg war zu lang und nicht alle kamen auf die Lösung der einzelnen Aufgaben, die Nuncius ihnen gestellt hatte, und obwohl er nurr ein Seher war – wie sollte er das Böse erahnen, welches sich anbahnte?
Es wirkte beinahe wie eine Beschwörung. Die Gruppen waren zu erschöpft und wussten nicht, was sie erwartete.
Saria erzählte, dass sich kurz vor dem Ziel der Himmel verdunkelt hätte und sie mit einem Sturm rechnete. Alle hätten sich beunruhigt umgeschaut – Shannon sagte, dass es tatsächlich ein seltsamer Zufall sei, so dass Saria misstrauisch wurde.

Kannst du dir das vorstellen, Quiona – der Dämon war so mächtig, dass niemand mehr wusste, was der andere tat.
Es dauerte einen halben Tag, bis sich die verbliebenen des Sechsten Hauses wieder zusammenfanden. Jeder von ihnen rechnete damit – nach unzähligen, gelösten Rätseln – dass nichts mehr helfen würde.
Und dann sagte Nuncius, der Seher, plötzlich, man solle sich wieder aufteilen und wies ihnen den weiteren Weg."
"Wie meinst du das?" fragte Quiona nervös, "glaubst du etwa, Nuncius hätte trotzdem etwas genaueres gewusst?"
Shyari lächelte. "Nun, vielleicht", meinte sie, "doch ohne Nuncius`Hilfe hätten wir den Dämon nie gefunden.
Lass mich weiter erzählen.
Sie gingen einen Hügel herauf...sie hatten beinahe schon die Hoffnung aufgegeben, den Dämon zu finden."
"Das hätte ich schon längst", warf Quiona ein. "Und du?"
"Ich nicht", erwiderte Shyari, "ich glaube, Saria glaubte von Anfang an, dass sie ihre Zauber benutzen müsse und nicht ihre Geduld. Von der sie ja, wie du weißt, nicht viel hat."
"Stimmt", meinte Quiona, "diese habe ich auch nicht, die einzige, die Geduld hat, bist du."
"Da bin ich mir nicht so sicher", erwiderte Shyari.
"Nun", fuhr sie fort, "sie erreichten schließlich den Gipfel, den höchsten Punkt des Hügels und rate mal, was dort passierte."
"Mir kommt es wie ein Märchen vor", sagte Quiona stirnrunzelnd, "ist etwa einer von uns ein Dämon gewesen?" Plötzlich wurde ihr kalt.
Shyari lächelte. "Ja, so war es. Taigabaer war besessen und Nuncius hat es vorhergesehen."
"Taigabaer?" fragte Quiona verblüfft. "Ist er denn nicht mitgekommen?"
Abermals lächelte Shyari. "Das ist er tatsächlich nicht.
Auch Sirakat fehlte, aber Saria sagte, dass ihr etwas dazwischengekommen sei.und ihm auch Nun, sie gingen den Hügel hoch und..."
"Das erzähltest du bereits."
"Lass mich doch ausreden. Sie trafen Taigaber dort an und..."
"Weswegen war er besessen?" unterbrach Quiona abermals.
Shyari überlegte. "Ich glaube, der Dämon wollte uns...trennen. Selbst Saria weiß es nicht genau, aber sie weiß...den Urspung der Besessenheit."
"Und der wäre?" fragte Quiona.
"Der Grund war dieser, dass jeder von uns eine Spur hinterlassen hatte", fuhr Shyari fort, "nur eine kleine. Es gibt Mächte, die uns besiegen wollen, das weißt du doch.
Nachdem sie den Dämon besiegt hatten, war Taigabaer immer noch nicht befreit. Er verschwand einfach..."
Quiona riss die Augen auf. "Du weißt genau, dass das nicht geht", erwiderte sie, "du weißt doch dass..."
"Beruhige dich." Shyari packte sie an den dunklen Händen. "Es war ein Dämon. Du weißt doch genau, wozu Dämonen in den Lage sind. Es bedurfte zwei völlig Außenstehender, um Taigabaer aus seiner Gefangenschaft zu befreien."
Quiona sah sie fragend an. "Nuncius und..."
"Josy", vollendete Shyari ihren Satz. "Josy war es, die eine Lösung gefunden hat. Sie hat uns verewigt und den Usprung erkannt."
"Vererwigt?" Quiona schaute sie zweifelnd an. "Das klingt, als seien wir gestorben."
"Gerade dadurch sind wir das nicht", erwiderte Shyari, "denn nachdem der Dämon verschwunden war, trafen sie Taigabaer in seinem Haus an. Er wusste nicht mehr, was geschehen war, doch vor ihm lag eine Steintafel, die ihn darstellte. Genau wie vor allen anderen, die in den Kampf gezogen waren. Josy hatte unsere Energien darauf projiziert." Sie blickte Quiona bedeutungsvoll an.
Diese schaute skeptisch zurück. "Du meinst, es hing alles von einem einzigen Mitglied und einer Frau ab?"
Shyari nickte. "Ja, nur so konnten wir den Dämon besiegen. Beide haben mehr gewusst, als unsere gesamte restliche Gilde. Aber ich bin nur jemand, der es nacherzählt."

Quiona blickte nachdenklich drein. "Und ich dachte immer, ich sei der Dämon", sagte sie und blies die Kerze aus.

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